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3.3. Eine Lektion in Akzeptanz und Widerstand

Aktualisiert: 22. Juni



Als Susan aus ihrem Tiefschlaf erwachte, stand Danny vor ihr, die dritte und letzte Zimmernachbarin. Ein Engel auf zwei Beinen – ruhig, verträumt und entschlossen. Susan zweifelte daran, ob alle die Symptome ihrer vermeintlichen Parkinson-Erkrankung erkennen konnten.


"Hallo, ich heiße Danny", sagte sie sanft.


Susan schaute Danny an, während sie über ihre Worte nachdachte. "Hallo Danny", erwiderte sie schließlich mit einem Hauch von Unsicherheit in der Stimme. Danny lächelte zurück, ein sanftes, verständnisvolles Lächeln, das Susan annahm. In ihrer Stille sah sie eine Verbundenheit, die über Worte hinausging, eine Verbundenheit zwischen Menschen, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind.


Bevor das Schweigen zu lang wurde, bemerkte Susan den bunten Häkelkorb auf ihrem Bett. "Was hast du da?", fragte sie neugierig, mit einem ironischen Unterton, der nicht zu überhören war.


Danny lächelte leicht, als sie den Häkelkorb nahm und antwortete: "Oh, das ist meine neueste Waffe im Kampf gegen die Langeweile." Sie zog eine besonders farbenfrohe Häkeldecke heraus und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Es ist auch gut, um meine großartigen Häkelkünste zur Schau zu stellen."


Susan konnte nicht anders als zu schmunzeln. "Das ist großartig", antwortete sie, diesmal mit einem Hauch von Ironie in ihrer Stimme. "Und ich dachte schon, du wärst hier, um mir zu helfen, meinen vermeintlichen Parkinson zu diagnostizieren."


Danny lachte leise. "Nun ja, das kann ich auch tun, aber Häkeln ist definitiv eine angenehme Abwechslung. Möchtest du es ausprobieren?"


Susan nickte und griff nach einer Häkelnadel, während sie sich darüber freute, dass Danny sie auf leichte Art und Weise ablenkte. An diesem Nachmittag, der trotz seiner Monotonie in Erinnerung bleiben würde, durchbrach Frieda mit einer dramatischen Wendung die trügerische Ruhe. Umgeben von einem Chaos aus Bastelmaterialien seufzte sie theatralisch: „Ach, Häkelei“, und ließ ihre zitternden Hände wie Marionetten in einem düsteren Puppenspiel tanzen. „Früher war ich die Königin der Häkelkunst. Aber jetzt mit dem Parkinson, na ja, das ist so eine Sache.“ Mit gespielter Resignation, die selbst Seifenopern Konkurrenz gemacht hätte, klagte sie.


Susan vergaß für einen Moment ihre pochenden Migräneschmerzen und versuchte, Frieda Trost zu spenden: „Das muss wirklich eine Herausforderung sein.“


„Oh ja“, bestätigte Frieda und betrachtete ihre steifen, zitternden Hände, als wären sie ein längst vergessenes Artefakt. „Früher konnte ich die kompliziertesten Muster zaubern, aber jetzt gehorchen mir diese Dinger einfach nicht mehr so, wie ich es gerne hätte.“


„Es ist bewundernswert, dass du es trotzdem versuchst“, bemerkte Danny, deren Mitgefühl so dick aufgetragen war wie das Butterbrot vom Frühstück. Die Tragik in Friedas Stimme berührte sie tief, vielleicht tiefer, als ihre zitternden Hände es vermochten.


Frieda nickte weise und fügte hinzu: „Ich habe mich mit meiner Krankheit arrangiert. Sie ist jetzt ein Teil von mir. Jeder hat seine Last zu tragen, und ich erwarte einfach, dass man mir hilft. Das gehört dazu.“


Ein wissender, aber auch ratloser Blick wanderte zwischen Susan und Danny hin und her, als versuchten sie, eine knifflige Quizfrage zu lösen. Sie verstanden den Schmerz hinter Friedas Worten, aber die selbstverständliche Erwartung an Unterstützung ließ sie ebenso verwirrt zurück wie ein Fisch auf dem Trockenen.


„Das klingt nach einem echten Abenteuer“, versuchte Susan tapfer, das Gespräch in weniger düstere Bahnen zu lenken. „Vielleicht könnten wir eine Mütze häkeln.“


Frieda lächelte schwach, als hätte Susan vorgeschlagen, einen Marathon auf den Händen zu laufen. „Das wäre schön. Aber nein, ich male lieber.“ Es klang, als würde sie lieber auf einer einsamen Insel festsitzen, als an diesem lächerlichen Vorschlag teilzunehmen.


„Ja, das wäre wirklich etwas“, stimmte Danny erleichtert zu und begrüßte diese Ablenkung.


Während Frieda weiter über ihren Kampf mit der Krankheit sprach, dachte Susan über ihre Einstellung nach. Friedas freudige Umarmung ihrer Krankheit und die Erwartung, dass andere ihre neue Weltanschauung teilen sollten, ließ Susan innerlich die Augen verdrehen. Sie konnte sich selbst in dieser Position nicht vorstellen, genauso wenig wie einen Flug zum Mars ohne Rückflugticket.


Frieda hatte ihre Krankheit akzeptiert, als wäre sie ein unerwünschter, aber unvermeidlicher Mitbewohner, und sie erwartete, dass andere sie dabei unterstützten, diesen unerwünschten Gast zu bewirten. Danny und Susan respektierten das, auch wenn sie es nicht vollständig verstanden oder gutheißen konnten. Ihre eigene Balance in dieser freundlichen Farce zu wahren, war für sie das wahre Abenteuer. Susan hatte vor, Frieda zu helfen, aber nur so viel, wie sie für angemessen hielt. Der Rest war etwas, das Frieda alleine versuchen musste, ob sie es wollte oder nicht. Friedas Art, sich mit ihrer Krankheit abzufinden und sich dabei fast vollständig zu ergeben, war für Susan eine Lektion. Sie wusste, dass sie nie so werden wollte.


 


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