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4.3. Von Chaoskünstlern und Klarheitsfindern: Susans Reise zwischen Helmut und Stefanie

Helmut, der moderne Michelangelo der Zerstörung, entdeckte seine wahre Berufung darin, die heilige Ordnung von Susans Alltag in ein chaotisches Kunstwerk zu verwandeln. Diese beinhalteten das kreative Umschichten von Möbeln und das gekonnte Verteilen von Papieren in chaotischer Präzision. Die Küche wurde sein persönliches Schlachtfeld, wo er mit Bravour aus einem einfachen Abendessen eine kulinarische Apokalypse zauberte, deren Überreste Susan am nächsten Morgen mit zitternden Händen und einem halbherzigen Lächeln begrüßte.


Jeden Tag stellte Susan sich dem Rätsel, welche brillante Überraschung Helmut als Nächstes für sie vorbereitet hatte. War es das Handy im Kühlschrank, neben der Milch, die nun plötzlich nicht mehr auffindbar war? Oder die Medikamente, die in den entlegensten Winkeln der Wohnung ein einsames Dasein fristeten? Helmut war ein Meister der Verwirrung, ein Virtuose des Durcheinanders, der es schaffte, selbst die einfachsten Handlungen in eine Herausforderung zu verwandeln.


Susans Ärztin, möglicherweise inspiriert von einem uralten chinesischen Fluch, verordnete ihr eine neue Physiotherapie, um sicherzustellen, dass Susan, während sie Helmut zu tolerieren lernte, nicht den Verstand verlor. So trat Stefanie in Susans Leben. Stefanie, die Physiotherapeutin mit dem Charme eines buddhistischen Zen-Meisters und der Strenge eines römischen Legionärs, eroberte Susans Herz im Sturm.


Mit jedem Besuch bei Stefanie erlangte Susan nicht nur mehr körperliche Stärke – als ob das ausreichen würde, um den täglichen Kämpfen mit Helmut zu begegnen – sondern auch eine beunruhigende innere Klarheit. Stefanie besaß die bemerkenswerte Fähigkeit, auf subtile Weise tief sitzende Blockaden und ungelöste Fragen ans Licht zu zerren, als wäre sie eine Mischung aus Freud und Sherlock Holmes. Mit sanfter Ermutigung und gezielten Fragen brachte sie Susan dazu, ihre eigenen Gedanken und Handlungen zu reflektieren. Das war sicherlich notwendig, denn wer konnte schon bei klarem Verstand bleiben, wenn man täglich rätseln musste, ob das Handy im Kühlschrank lag oder die Tabletten sich in der Teekanne versteckten?


Selbst Susans Mann, der strukturierte Einstein, bemerkte die Veränderungen in Susan. Er sah, wie sie selbstbewusster und ausgeglichener wurde, als ob sie plötzlich eine innere Superkraft entdeckt hätte, die ihr half, seine eskalierenden Einfälle zu überleben. Ihre Gespräche vertieften sich, und sie redeten nun über Themen, die sie zuvor vermieden hatten, wie Hoffnungen, Ängste und die unglaubliche Möglichkeit einer Zukunft ohne verschollene Gegenstände und unvorhersehbare nächtliche Aktivitäten.


Stefanie wurde zu einem festen Bestandteil von Susans Alltags-Traumreise. Sie war nicht nur Physiotherapeutin, sondern auch eine weise Vertraute und Beraterin. Ihre Praxis verwandelte sich in einen sicheren Hafen, in dem Susan nicht nur ihren Körper, sondern auch ihre geplagte Seele stärkte. Stefanie gab Susan Übungen, die ihre körperliche Gesundheit förderten, und Aufgaben, die sie geistig forderten und wachsen ließen. Susan stellte sich diesen Herausforderungen mit einem tapferen Lächeln und einer Portion schwarzem Humor.


Immer öfter nahm sich Susan Zeit für sich selbst, um in Ruhe nachzudenken und die intensiven Gespräche mit Stefanie und die täglichen Abenteuer mit Helmut zu verarbeiten. Sie erkannte, wie wichtig es war, ihre eigene Stimme zu finden und ihrem Leben eine neue Richtung zu geben, selbst wenn diese Richtung manchmal über ein Schlachtfeld von Papieren und verstreuten Frühstücksresten führte. Stefanies Einfluss inspirierte Susan dazu, sich als eine eigenständige und wertvolle Persönlichkeit zu sehen, die das Recht hatte, ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu verfolgen. Dabei entdeckte sie, dass sie die Kraft hatte, ihre Ziele zu erreichen und dass Veränderungen möglich waren, wenn man nur den Mut hatte, den ersten Schritt zu machen – selbst wenn dieser Schritt über eine verstreute Sammlung von Helmut’s nächtlichen „Kunstwerken“ führte.

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Guest
Jun 25
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